Denksport e.V. · Denksport unterwegs · Paris

Traust du deinem Gehirn?

Willkommen bei unserer neuen Rubrik „Denksport unterwegs“! Wir entdecken Orte, die neugierig machen – und bringen euch mehr als einen Museumsbericht mit: interaktive Mitmachstationen zum Ausprobieren, Beobachten und Weiterdenken. Zum Auftakt waren wir im Wissenschaftsmuseum Paris, der Cité des sciences et de l’industrie. Komm mit, teste deine Wahrnehmung und werde selbst zum Argumente-Detektiv!

MagieWahrnehmungKritisches Denken

Von unserem Magier zu echter Wissenschaft

Erst kürzlich hatten wir bei unserer Jugendgruppe Weiterdenken einen Zauberkünstler zu Gast. In Paris begegnete uns das Thema erneut – in der Ausstellung Magic der Cité des sciences et de l’industrie. Direkt daneben: Esprit critique, eine Ausstellung über kritisches Denken.

Der rote Faden war plötzlich klar: Zaubertricks funktionieren, weil unser Gehirn Erwartungen bildet und Informationen auswählt. Genau deshalb lohnt es sich, die eigene Wahrnehmung zu hinterfragen.

Eingang zur Ausstellung Magic
Experiment 01 · Selbst ausprobieren

Der Handtrick: Lassen sich deine Ringfinger lösen?

Diese Handstellung begegnete uns in der Magie-Ausstellung. Schau dir zunächst beide Originalfotos an: Sie helfen dir, die Finger und Hände richtig zu positionieren.

Originalaufnahme: Martins Hände mit nach innen gebeugten Mittelfingern
Originalaufnahme: dieselbe Fingeraufgabe aus einer anderen Perspektive

So bringst du deine Hände in Position

  1. Halte beide Hände vor dich, die Handflächen zeigen zueinander.
  2. Beuge beide Mittelfinger nach innen, sodass ihre Rückseiten aneinanderliegen. Halte diesen Kontakt während des Versuchs.
  3. Bringe die Fingerkuppen der übrigen gleichnamigen Finger paarweise zusammen: Daumen an Daumen, Zeigefinger an Zeigefinger, Ringfinger an Ringfinger und kleine Finger an kleine Finger.
Deine Aufgabe – Schritt für Schritt:
  1. Trenne zuerst die Zeigefinger voneinander und strecke sie auseinander. Halte dabei die übrigen Finger und beide Hände in ihrer Position. Bringe die Zeigefinger anschließend wieder zusammen.
  2. Probiere dasselbe mit den kleinen Fingern: voneinander lösen, auseinanderstrecken und wieder zusammenbringen. Die anderen Finger behalten ihre Haltung.
  3. Jetzt kommt das scheinbar „Unmögliche“: Kannst du auch die Ringfinger voneinander lösen, sodass zwischen ihren Fingerkuppen eine Öffnung entsteht?

Die Mittelfinger bleiben dabei eingeklappt und aneinander. Ziehe die Hände nicht auseinander und probiere es locker, ohne Kraft.

Martin gelang die Bewegung bei unserem Versuch nicht; bei uns Mädchen gelang sie. Anscheinend etwas, das nicht jedem gelingt!

Jetzt seid ihr dran!

Probier es selber aus: Gelingt es dir, die Ringfinger voneinander zu lösen? Und wie ist es bei deiner Familie und deinen Freunden?

Probiert es auch mit eurer Familie und euren Freunden: Wie viele schaffen es, und bei wem bleiben die Ringfinger zusammen? Achtet darauf, dass alle die gleiche Handhaltung beibehalten. Danach entdeckt ihr, wie daraus ein Zaubertrick wird.

Experiment 02 · Video

Zauberei zum Nachmachen

In der Magie-Ausstellung konnten wir kleine Tricks anhand von Videoanleitungen üben. Hier ist unsere Aufnahme der Mitmachstation.

Und noch ein Trick mit einem Gummiband

Auch den haben wir ausprobiert. Schau genau hin: Was verändert sich wirklich, und was erwartet dein Gehirn?

Tipp: Erst ansehen, dann selbst ausprobieren, anschließend die Bewegung langsam analysieren.

Weiter geht’s: Wie bilden wir uns ein Urteil?

Nach der Magie wechselten wir in die Ausstellung „Esprit critique“ – Kritisches Denken. Hier ging es darum, wie wir Informationen bewerten und zu unseren Urteilen kommen. Besonders beeindruckt hat uns eine unscheinbare Station mit zwei Holzstühlen: Schon die Frage, mit der wir an eine Aufgabe herangehen, kann unsere Erwartungen beeinflussen.

Experiment 03 · Abstimmen

Welcher Stuhl ist bequemer?

Zwei Holzstühle in der Ausstellung

Als wir an diese Station kamen, erklärte Martin uns, dass wir sagen sollten, welcher Stuhl bequemer sei. Wir probierten beide aus und entschieden uns für den zweiten. Was glaubst du: Gibt es einen Unterschied?

Die Denksport-Frage: Wie stark beeinflusst bereits die Formulierung einer Aufgabe, was wir anschließend wahrnehmen?

Experiment 04 · Aufmerksamkeit

Wie aufmerksam bist du wirklich?

Bevor wir dir von unserem Erlebnis erzählen, probiere das berühmte Experiment selbst aus. Sieh dir das Video an und konzentriere dich auf die Zählaufgabe. Lies erst danach weiter!

Experiment 05 · Argumente-Detektiv

Gute Gründe oder Denkfallen?

In der Ausstellung begegneten uns auch typische Fehler beim Argumentieren. Manches klingt auf den ersten Blick überzeugend – doch folgt die Behauptung wirklich aus den genannten Gründen? Genau hinzuschauen hilft, im Alltag fairer zu diskutieren und Informationen besser einzuordnen.

Argumentationsfehler in der Ausstellung

Was sind Denkfallen?

Denkfallen sind Abkürzungen oder Fehlschlüsse in unserer Begründung: Wir halten etwa etwas für wahr, weil viele daran glauben, verwechseln eine zeitliche Abfolge mit einer Ursache oder beurteilen eine Aussage nach der Person, die sie äußert. Das kann uns allen passieren. Entscheidend ist, die Gründe zu prüfen – und auch gut begründete Aussagen anzuerkennen.

Elf Denkfallen kennenlernen

Hey, probier es doch mal selbst aus!

Du bist jetzt Argumente-Detektiv: Lies die Beispiele und entscheide, ob eine Denkfalle dahintersteckt oder ein gutes Argument vorliegt. Nach jeder Antwort bekommst du eine Begründung und eine Frage zum Weiterdenken.

Elf Argumentationsfehler in drei Schwierigkeitsgraden – und zusätzlich überzeugende Argumente ohne Denkfehler. Jede Runde enthält neun zufällig ausgewählte Fälle: drei leichte, drei mittlere und drei knifflige. Manche Aussagen sind gut begründet. Entscheide erst nach genauem Prüfen!

Unsere weiteren Entdeckungen

Auch abseits der Denkfallen gab es viel zu entdecken

Unser Museumsbesuch führte uns noch zu ganz anderen Mitmachstationen. In Chiens & Chats konnten wir uns bei einem Slalom mit den angezeigten Zeiten von Hunden vergleichen. Unsere 2,98 Sekunden reichten nicht, um die fünf Vergleichshunde zu schlagen – aber der Versuch machte den Vergleich unmittelbar erlebbar.

Ruhiger wurde es bei den magnetischen Quadraten. Aus den einzelnen Farbflächen legten wir unser Vereinslogo: ein vertrautes Motiv, das hier als Pixelbild neu entstand. Auch solche offenen Stationen luden uns ein, selbst etwas auszuprobieren.

Slalomvergleich mit Hunden
Hunde-Slalom: Unsere Zeit: 2,98 Sekunden. Die fünf Vergleichshunde waren schneller.
Denksport-Logo aus magnetischen Quadraten
Pixel-Art: Unser Vereinslogo aus echten magnetischen Quadraten.
5+ Std.Besuch
2,98 sSlalom
Besuch planen · Paris

Die wichtigsten Museums-Facts

Die Cité des sciences et de l’industrie liegt im Parc de la Villette und gehört zu den großen interaktiven Wissenschaftsmuseen Europas. Hier geht es ums Entdecken, Ausprobieren und Hinterfragen – nicht nur ums Anschauen.

Paris 19.Parc de la Villette
5+ Std.Unsere Besuchsdauer
AlleGenerationen willkommen

Adresse: 30 avenue Corentin Cariou, 75019 Paris, Frankreich
Anreise: Métro Linie 7, Porte de la Villette
Website: cite-sciences.fr
Sprache: Französisch; englische Texte und Anleitungen an vielen, aber nicht allen Stationen. Englischkenntnisse sind hilfreich.
Unser Tipp: Viel Zeit einplanen und die aktuellen Ausstellungen, Altersangaben, Öffnungszeiten sowie Tickets vor dem Besuch auf der Museumswebsite prüfen. Sonderausstellungen und einzelne Angebote können gesonderte Bedingungen haben.

Von uns erlebt: Chiens & Chats, Magie, kritisches Denken und eine interaktive Robotersteuerung. Kurze Wartezeiten und einzelne defekte Stationen gehörten ebenfalls dazu.

Was wir aus Paris mitnehmen

Nach mehr als fünf Stunden gingen wir glücklich und mit vielen neuen Ideen nach Hause. Besonders schön war, dass jede und jeder etwas anderes mitnahm: die Erklärung hinter einem Zaubertrick, die überraschende Erfahrung mit den beiden Stühlen oder die Freude, einen Trick selbst hinzubekommen. Im Shop kam mit Magic Pro – Four Queen Secret noch etwas zum Weiterzaubern dazu.

Für uns passten die beiden Ausstellungen gut zusammen. In der Magie ließen wir uns gern überraschen; beim kritischen Denken fragten wir genauer nach, wie unsere Eindrücke und Urteile entstehen. Beides führte immer wieder zu derselben Erfahrung: Erst selbst ausprobieren, dann vergleichen und darüber sprechen – so bleiben die Aha-Momente im Kopf.

Genau das möchten wir mit „Denksport unterwegs“ weitergeben. Vielleicht habt ihr die Fingeraufgabe längst am Küchentisch ausprobiert oder beim Quiz über eine Antwort diskutiert. Dann geht unser Museumsbesuch bei euch ein kleines Stück weiter.

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