Von unserem Magier zu echter Wissenschaft
Erst kürzlich hatten wir bei unserer Jugendgruppe Weiterdenken einen Zauberkünstler zu Gast. In Paris begegnete uns das Thema erneut – in der Ausstellung Magic der Cité des sciences et de l’industrie. Direkt daneben: Esprit critique, eine Ausstellung über kritisches Denken.
Der rote Faden war plötzlich klar: Zaubertricks funktionieren, weil unser Gehirn Erwartungen bildet und Informationen auswählt. Genau deshalb lohnt es sich, die eigene Wahrnehmung zu hinterfragen.

Der Handtrick: Lassen sich deine Ringfinger lösen?
Diese Handstellung begegnete uns in der Magie-Ausstellung. Schau dir zunächst beide Originalfotos an: Sie helfen dir, die Finger und Hände richtig zu positionieren.


So bringst du deine Hände in Position
- Halte beide Hände vor dich, die Handflächen zeigen zueinander.
- Beuge beide Mittelfinger nach innen, sodass ihre Rückseiten aneinanderliegen. Halte diesen Kontakt während des Versuchs.
- Bringe die Fingerkuppen der übrigen gleichnamigen Finger paarweise zusammen: Daumen an Daumen, Zeigefinger an Zeigefinger, Ringfinger an Ringfinger und kleine Finger an kleine Finger.
- Trenne zuerst die Zeigefinger voneinander und strecke sie auseinander. Halte dabei die übrigen Finger und beide Hände in ihrer Position. Bringe die Zeigefinger anschließend wieder zusammen.
- Probiere dasselbe mit den kleinen Fingern: voneinander lösen, auseinanderstrecken und wieder zusammenbringen. Die anderen Finger behalten ihre Haltung.
- Jetzt kommt das scheinbar „Unmögliche“: Kannst du auch die Ringfinger voneinander lösen, sodass zwischen ihren Fingerkuppen eine Öffnung entsteht?
Die Mittelfinger bleiben dabei eingeklappt und aneinander. Ziehe die Hände nicht auseinander und probiere es locker, ohne Kraft.
Martin gelang die Bewegung bei unserem Versuch nicht; bei uns Mädchen gelang sie. Anscheinend etwas, das nicht jedem gelingt!
Was kann man damit jetzt machen?
Aus dieser überraschenden Fingeraufgabe wird ein kleiner Zaubertrick: Eine Münze scheint zwischen zwei Fingern festzustecken – als wären sie zusammengeklebt.
Der Zaubertrick mit der „verhexten“ Münze
Du brauchst eine Münze und jemanden, der mitmacht.
- Bitte dein Gegenüber, die Hände wie oben zusammenzulegen: Die Mittelfinger sind nach innen gebeugt und liegen mit ihren Rückseiten aneinander, die übrigen Fingerkuppen berühren sich paarweise.
- Lege eine Münze zwischen die beiden Ringfingerkuppen. Halte sie zunächst mit deinen eigenen Fingern fest, damit sie nicht herunterfällt.
- Bitte dein Gegenüber, nacheinander die Daumen, die Zeigefinger und die kleinen Finger zu trennen und jeweils wieder zusammenzubringen. Die anderen Finger bleiben in Position.
- Kündige an: „Jetzt verzaubere ich die Münze!“ Lass sie los, sodass nur noch die Ringfingerkuppen sie halten. Bitte dein Gegenüber, die Ringfinger zu trennen und die Münze in die darunter bereitgehaltene Hand fallen zu lassen – ohne die Mittelfinger zu strecken oder die Hände auseinanderzuziehen.
- Bleibt die Münze stecken? Dann löse den „Zauber“ auf: Dein Gegenüber darf die Handhaltung lockern und die Münze freigeben. Gelingt das Trennen schon vorher, nehmt es mit Humor – der Trick klappt eben nicht bei allen.
Viel Spaß beim Ausprobieren des Zaubertricks!
Frei nach „The finger lock trick“ aus dem Guardian-Rätselblatt.
Zauberei zum Nachmachen
In der Magie-Ausstellung konnten wir kleine Tricks anhand von Videoanleitungen üben. Hier ist unsere Aufnahme der Mitmachstation.
Und noch ein Trick mit einem Gummiband
Auch den haben wir ausprobiert. Schau genau hin: Was verändert sich wirklich, und was erwartet dein Gehirn?
Tipp: Erst ansehen, dann selbst ausprobieren, anschließend die Bewegung langsam analysieren.
Weiter geht’s: Wie bilden wir uns ein Urteil?
Nach der Magie wechselten wir in die Ausstellung „Esprit critique“ – Kritisches Denken. Hier ging es darum, wie wir Informationen bewerten und zu unseren Urteilen kommen. Besonders beeindruckt hat uns eine unscheinbare Station mit zwei Holzstühlen: Schon die Frage, mit der wir an eine Aufgabe herangehen, kann unsere Erwartungen beeinflussen.
Welcher Stuhl ist bequemer?

Als wir an diese Station kamen, erklärte Martin uns, dass wir sagen sollten, welcher Stuhl bequemer sei. Wir probierten beide aus und entschieden uns für den zweiten. Was glaubst du: Gibt es einen Unterschied?
Die Denksport-Frage: Wie stark beeinflusst bereits die Formulierung einer Aufgabe, was wir anschließend wahrnehmen?
Wie aufmerksam bist du wirklich?
Bevor wir dir von unserem Erlebnis erzählen, probiere das berühmte Experiment selbst aus. Sieh dir das Video an und konzentriere dich auf die Zählaufgabe. Lies erst danach weiter!
▶ Aufmerksamkeitstest ansehen (YouTube · Internet nötig)
Unser Aha-Moment
Das Gorilla-Experiment kannten wir bereits – deshalb fiel uns der Gorilla sofort auf. Die Farbänderung des Vorhangs bemerkten wir dagegen nicht. Gerade das war unsere Überraschung: Auch wer einen bekannten Trick durchschaut, kann andere Veränderungen übersehen.
Eine ähnliche Station mit einem Rezept zeigte uns, wie stark eine konkrete Aufgabe unsere Aufmerksamkeit bindet.
Denksport-Gedanke: Aufmerksam sein heißt nicht automatisch, alles wahrzunehmen. Was wir erwarten und worauf wir uns konzentrieren, beeinflusst unsere Beobachtung.
Gute Gründe oder Denkfallen?
In der Ausstellung begegneten uns auch typische Fehler beim Argumentieren. Manches klingt auf den ersten Blick überzeugend – doch folgt die Behauptung wirklich aus den genannten Gründen? Genau hinzuschauen hilft, im Alltag fairer zu diskutieren und Informationen besser einzuordnen.

Was sind Denkfallen?
Denkfallen sind Abkürzungen oder Fehlschlüsse in unserer Begründung: Wir halten etwa etwas für wahr, weil viele daran glauben, verwechseln eine zeitliche Abfolge mit einer Ursache oder beurteilen eine Aussage nach der Person, die sie äußert. Das kann uns allen passieren. Entscheidend ist, die Gründe zu prüfen – und auch gut begründete Aussagen anzuerkennen.
Elf Denkfallen kennenlernen
Hey, probier es doch mal selbst aus!
Du bist jetzt Argumente-Detektiv: Lies die Beispiele und entscheide, ob eine Denkfalle dahintersteckt oder ein gutes Argument vorliegt. Nach jeder Antwort bekommst du eine Begründung und eine Frage zum Weiterdenken.
Elf Argumentationsfehler in drei Schwierigkeitsgraden – und zusätzlich überzeugende Argumente ohne Denkfehler. Jede Runde enthält neun zufällig ausgewählte Fälle: drei leichte, drei mittlere und drei knifflige. Manche Aussagen sind gut begründet. Entscheide erst nach genauem Prüfen!
Auch abseits der Denkfallen gab es viel zu entdecken
Unser Museumsbesuch führte uns noch zu ganz anderen Mitmachstationen. In Chiens & Chats konnten wir uns bei einem Slalom mit den angezeigten Zeiten von Hunden vergleichen. Unsere 2,98 Sekunden reichten nicht, um die fünf Vergleichshunde zu schlagen – aber der Versuch machte den Vergleich unmittelbar erlebbar.
Ruhiger wurde es bei den magnetischen Quadraten. Aus den einzelnen Farbflächen legten wir unser Vereinslogo: ein vertrautes Motiv, das hier als Pixelbild neu entstand. Auch solche offenen Stationen luden uns ein, selbst etwas auszuprobieren.


Die wichtigsten Museums-Facts
Die Cité des sciences et de l’industrie liegt im Parc de la Villette und gehört zu den großen interaktiven Wissenschaftsmuseen Europas. Hier geht es ums Entdecken, Ausprobieren und Hinterfragen – nicht nur ums Anschauen.
Adresse: 30 avenue Corentin Cariou, 75019 Paris, Frankreich
Anreise: Métro Linie 7, Porte de la Villette
Website: cite-sciences.fr
Sprache: Französisch; englische Texte und Anleitungen an vielen, aber nicht allen Stationen. Englischkenntnisse sind hilfreich.
Unser Tipp: Viel Zeit einplanen und die aktuellen Ausstellungen, Altersangaben, Öffnungszeiten sowie Tickets vor dem Besuch auf der Museumswebsite prüfen. Sonderausstellungen und einzelne Angebote können gesonderte Bedingungen haben.
Von uns erlebt: Chiens & Chats, Magie, kritisches Denken und eine interaktive Robotersteuerung. Kurze Wartezeiten und einzelne defekte Stationen gehörten ebenfalls dazu.
Was wir aus Paris mitnehmen
Nach mehr als fünf Stunden gingen wir glücklich und mit vielen neuen Ideen nach Hause. Besonders schön war, dass jede und jeder etwas anderes mitnahm: die Erklärung hinter einem Zaubertrick, die überraschende Erfahrung mit den beiden Stühlen oder die Freude, einen Trick selbst hinzubekommen. Im Shop kam mit Magic Pro – Four Queen Secret noch etwas zum Weiterzaubern dazu.
Für uns passten die beiden Ausstellungen gut zusammen. In der Magie ließen wir uns gern überraschen; beim kritischen Denken fragten wir genauer nach, wie unsere Eindrücke und Urteile entstehen. Beides führte immer wieder zu derselben Erfahrung: Erst selbst ausprobieren, dann vergleichen und darüber sprechen – so bleiben die Aha-Momente im Kopf.
Genau das möchten wir mit „Denksport unterwegs“ weitergeben. Vielleicht habt ihr die Fingeraufgabe längst am Küchentisch ausprobiert oder beim Quiz über eine Antwort diskutiert. Dann geht unser Museumsbesuch bei euch ein kleines Stück weiter.
